Unsere Welt dreht sich immer schneller, die Technik ersetzt immer mehr die Arbeit von Menschenhand. Auch im Reitsport dreht sich die Welt immer schneller. Hengste werden schnell noch von der Weide eingefangen, bekommen dann den Kulturschock ihres Lebens. Eben galoppierten sie noch in einer großen Gemeinschaft als „freier Vogel“ über eine große,weite Weide. Nun sind sie gefangen, eingesperrt in einer kleinen Box, entfernt von allen Freunden, die bisher ihr Leben bestimmten. Die Körung steht an und bis dahin ist nicht mehr viel Zeit. Im Hau-Ruck-Verfahren muss dieser junge Pferdekopf alles verarbeiten, was da auf ihn einprasselt. Fremde Geräusche, Gerüche, neue zweibeinige Wesen, die irgendwelche komischen Dinge verlangen und vieles mehr. Zeit ist Geld, auch im Pferdesport. Jeder zusätzlich Monat Beritt ist eine zusätzliche Kostenlast. Ist es richtig, dass dieses noch gar nicht gefestigte Wesen sich nun mit Artgenossen in einem Auswahlverfahren messen muss? Beurteilt wird nach Kriterien die für die Zucht wertvoll sein sollen, obwohl man das doch bei einem Pferd nach maximal sechs Monaten in Menschenhand wohl schwer einschätzen kann.

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Da lande ich bei uns in Niedersachsen, kurz vor Hamburg, in einem kleinen Stall mit acht Pferden. Bei uns ist es ruhig. Wir betreiben das Reiten als Hobby, neben unseren Berufen. Wir müssen also kein Geld mit den Pferden verdienen, sondern wünschen uns einen Partner, der uns ein Leben lang begleitet. Ich habe es also bei Fiete anders gemacht, habe mir Zeit genommen für meinen Traum vom eigenen Pferd. Von dem Traum ein Pferd beim Aufwachsen zu begleiten. Immer zu wissen was er so erlebt hat, um vielleicht mal besser einschätzen zu können, wann er wie reagiert.

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Seitdem Fiete bei uns mit einem Alter von sechs Monaten einzog übten wir. Wir  übten Hufegeben und Auskratzen. Die ersten Male war das natürlich auch nicht ganz einfach. Fiete zappelte, ich durfte nicht loslassen. Erstmal nur den Huf kurz anheben, nur lernen, dass ich nichts böses von ihm möchte. Lernen sein Gleichgewicht zu halten, auf den übrigen drei Beinen. Heute klappt das im Schlaf, ich tippe das Bein nur kurz an und schon hebt er bereitwillig seinen Huf. Damals war es aufregend, nicht immer einfach gerade die hinteren Hufe festzuhalten, auch wenn er wild zappelt. Ein Glück hatte ich oft Hilfe durch die Stallbesitzer. Auch übten wir schon das Führen, gingen mit ihm bereits als Fohlen spazieren. Auch so ein kleiner Wildfang muss verstehen, dass er sich zu benehmen hat an meiner Hand. Natürlich bockte und stieg er auch mal an der Hand. Jedoch hatte ich das Gefühl die Sache schnell wieder unter Kontrolle zu bekommen, denn noch war Fiete für mich händelbar, hatte sein heutiges Gewicht von 500 – 600 kg noch lange nicht erreicht. Würde er diese Dinge heute an meiner Hand ausprobieren hätte ich wohl kaum eine Chance.

01267b3265a54c8ede09ae8fb5e1f57e05d9249b6dFiete lernte schon von Anfang an Respekt und Vertrauen. Aus meiner Sicht ein Zusammenspiel, welches extrem wichtig ist für den weiteren Verlauf der Ausbildung. Ein Beispiel möchte ich euch noch erzählen. Als Fiete damals zu uns kam, kannte er ja nun den Herdenverband,in dem er bis dahin mit seiner Mutter gelebt hatte. Als ich ihn damals kraulte, wollte er mir auch etwas Gutes tun und fing an mich liebevoll zu beißen. So wie Pferdefreunde das halt untereinander machen. Da ich aber nun mal kein Artgenosse bin und man das als Mensch nicht sehr angenehm empfindet, musste er lernen anders zu genießen. Heute tut er das in dem er seine Oberlippe spitzt.

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Der Grad zwischen Respekt und Vertrauen ist oft nicht besonders einfach. Ich kann auch nicht sagen ob ich in allen Situationen und zu jeder Zeit richtig regiere/ richtig reagiert habe. Aber ich glaube wir sind auf einem guten Weg! Diese Erkenntnis kam mir gestern, als ich Fiete an der Reithallentür parkte, auf ihm sitzend den Reißverschluß meiner Weste öffnete, die Weste auszog und sie an den Haken an der Reithallentür aufhängte. Für viele alte Hasen und von sich aus gelassene Pferde kein Problem, für mich ein riesen Erfolg. Da Fiete schnell explosiv reagiert, wenn er vor etwas Angst hat. Aber er stand da, war gelassen und reagierte so, als ob wir das bereits 1000 mal geübt hätten. Ein Zeichen, dass es mit dem Vertrauen zwischen uns wohl nicht ganz so schlecht steht.

 

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