Jahresrückblick Teil 1

Ein Jahr geht und ein Neues steht ganz frisch vor mir. Für mich bedeutet ein Jahreswechsel keine große Veränderung, aber ich mag es, diesen besonderen Zeitpunkt zu nutzen und das vergangene Jahr Revue passieren zu lassen, sich auf das neue Unbekannte einzulassen und freue mich auf alle Überraschungen, die das neue Jahr mit sich bringen wird.

Es war viel los im vergangen Jahr und ich versuche euch einen kleinen Überblick von dem zu geben, was mich beschäftigt hat. Ich versuche mich auch kurz zu fassen.

Das war 2017

Der Januar startete sehr eisig und dennoch nutzen wir einen dieser kalten, aber schönen Tage, um ein paar tolle Bilder zu machen. Fiete ist bei den kalten Temperaturen besondern energiegeladen und dadurch manchmal gar nicht so einfach zu händeln. Aber dadurch ist es immer eine neue Herausforderung aus der ich immer wieder neue Erkenntnisse gewinnen kann.

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Sehr untypisch für Januar begann ich mit einem regelmäßigen Lauftraining, welches mir im gesamten Jahr zu deutlich mehr körperlicher Fitness verholfen hat. Immer mit dabei meine zwei Wichte, denn Laufen kann man auch mit Kindern! Sie machten es sich im Croozer gemütlich und ließen sich durch die Gegend schieben.

Ende Januar machten wir dann noch ein spontanes, verlängertes Wochenende im Harz, um dort die schöne verschneite Landschaft zu genießen.

Im Februar plante ich den Abzeichenlehrgang im RV Horneburg durch, damit er dann schon bald im April starten konnte. Auch beschäftigte ich mich (neben dem regelmäßigen Lauftraining, Fiete und meinem „normalen“ Job) mit der Suche nach Pferdeanhängern und der Planung für meinen 30. Geburtstag. Ich wünschte mir so sehr einen eigenen Pferdeanhänger, um endlich unabhängig von anderen, mit Fiete überall hinfahren zu können. Bei der Suche nach Pferdeanhängern stellte ich schnell fest, dass gebrauchte Pferdeanhänger immer noch sehr teuer sind und entschied für mich, dass es dann für ein wenig mehr Geld lieber ein neuer Anhänger sein sollte. Ende Februar wurde ich dann noch zum ersten Mal Tante von dem kleinen Emil.

Der März startete mit einem Krankenhausaufenthalt für unseren Minimann um seine Nahrungsmittelallergie (Anaphylaxie) zu testen. Getestet wurden Erdnüsse und leider reagierte er darauf. An dem ersten Märzwochenende nahm ich an einem Dressurlehrgang in einem anderen Reitverein teil.

Am 6.März wurde ich 30 Jahre alt, dies wurde an dem folgenden Wochenende mit einer kleinen, aber feinen 90er Party gefeiert. Eine Woche später war es soweit ich fuhr zur Zulassungsstelle und durfte mich ab nun stolze Pferdeanhängerbesitzerin nennen.

Sina (meine allerbeste Reitbeteiligung) nutze die Zeit für einen Lehrgang bei Christina von Hello Horses , damit Fiete auch niemals langweilig wird! Mitte März folgte dann das zweite Dressurlehrgangswochende für mich. Denn ich wollte gut vorbereitet in die neue und unsere erste richtige Turniersaison starten. Ende März war es dann auch schon so weit und ich startete mit der besten Crew (meinem Mann + Sina) zu unserem ersten Turnier in Sieversen. Fiete 24.03.2017-6

Fiete war ein hochexplosive Kanonenkugel und ich ein nichteinwirkender Beifahrer. Sina starb bereits fast allein vom Zuschauen. Die Leute um uns herum nahmen viel Rücksicht und man sah uns an, dass wir keine Routiniers sind. Ich war trotzdem stolz, dass wir uns dort durchboxten und war einfach nur froh, dass wir den ersten Turnierstart unbeschadet überlebten. Die Wertnote war schlecht, aber für das,  was wir dort nicht zeigten, völlig gerechtfertigt. Fiete 24.03.2017-14Fiete 24.03.2017-11

Im April startete ich mit viel Familienzeit, weil mein Mann leider sehr viel arbeiten musste. Mein Reitabzeichenlehrgang begann und nun hieß es rund 30 Prüflinge gut auf ihre bevortsehende Abzeichenprüfung vorzubereiten.

Ich beschränke mich dabei aus zeitlichen Gründen auf die theoretische Vorbereitung und überlasse den praktischen Teil Mathilde Klausberger , diese Zusammenarbeit hat sich als erfolgreich herausgestellt und so konnten am Ende fast alle Teilnehmer überglücklich ihr Abzeichen in Empfang nehmen. Ich nutzte die Zeit für die Abzeichenvorbereitung ebenfalls dazu, die Kindergartengruppe meiner Tochter in die Welt der Pferde zu entführen.

Zwischen der ganzen Organisation fuhr ich erneut zu einem Turnier, auch dort waren wir eher wild und ohne Glanzleistung unterwegs. Aber auch dort sammelte ich wieder Erfahrung.

Am 20. April feierten wir Fietes sechsten Geburtstag und es entstanden tolle Fotos.

Das letzte Aprilwochenende stand dann wieder ein Turnier an, endlich begann ich Fiete zu reiten und dies wurde dann auch gleich mit einer 7,4 belohnt und bedeutete für uns den vierten Platz in einer A-Dressur, ich war den Tränen nahe und einfach nur unglaublich stolz. So richtig auskosten konnte ich die Platzierung nicht, denn es herrschte Stress, Minifräulein sollte an diesem Tag noch ihre allererste Führzügelklasse starten und wir hatten wenig Zeit, um Fiete wegzubringen und das Führzügelpony abzuholen. Ein unglaubliches Wochenende an das ich mich noch ewig erinnern werde!

Vielen Dank Sina und Mette für eure tolle Turnierbetreuung ❤ Ich hätte es ahnen sollen, nach so einem Höhepunkt folgt oft ein tiefer Fall.

Der Mai begann mit einem schönen Ausritt mit vielen Pferden aus unserem Reitverein. Es gab einen Sekt bei Sonnenschein, auf die erste Platzierung. Alles war perfekt, bis die Kinder eine dicke Erkältung einschleppten. Ein Husten quälte mich und nach einem starken Hustenanfall hatte ich plötzlich ein komisches Gefühl an meinem Bauchnabel. Ein Besuch in der Notaufnahme brachte Gewissheit, ich hatte einen Nabelbruch, der operiert werden musste.

Meine kleine Welt stürzte zusammen, die kommenden Turniere und die damit verbundene Turniersaisonplanung konnte ich streichen. Ich war so unendlich traurig, endlich war ich fit wie nie und hatte endlich das Gefühl mit Fiete voranzukommen. Sechs Wochen absolutes Reitverbot. Ein Glück hatte ich Sina, sie hatte nun für fast zwei Monate ein eigenes Pferd und ich musste erstmal wieder fit werden. Ein Highlight bescherte mir jedoch noch die DKB , denn ich durfte beim Hamburger Derby auf der DKB- Fanbank platz nehmen und einen einmalig schönen Tag verbringen. Eine kleine Wiedergutmachung nach all dem Ärger.

Im Juni herrschte also absolutes Reitverbot, ich schaute also zu wie Fiete geritten wurde und Sina bekam zum Glück auch tolle Unterstützung von unseren anderen Stallmitgliedern. Ich nutzte die Zeit für viele schöne Familienmomente. Nach sechs Wochen ohne Reiten schwang ich mich dann, nach guter Heilung, Ende Juni zurück in den Sattel, voller Tatendrang dort anzuknüpfen wo wir aufhören mussten. So konnte es mir keiner mehr nehmen am 30.06. endlich wieder aufs Turnier nach Wohlesbostel zu fahren. Ich hatte alles perfekt organisiert, aber es goss in Strömen. Ich ließ mich nicht abhalten, nicht nach all dem was passiert war. Ich wollte nun die Chance nutzen und mich zurückkämpfen. Es war alles matschig, Fiete völlig hysterisch wegen Matsch, zu viel Wasser und vieler bunter Regenschirme. Trotzdem konnte ich ihn während der Prüfung für mich gewinnen. Es folgte ein guter Ritt unter schwierigsten Bedingungen. Wir bekamen eine 7,2 und konnten damit die Prüfung für uns entscheiden. Die Siegerehrung erfolgte aufgrund des schlechten Wetters ohne Pferd im Kuchenzelt und vor lauter Stolz ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, meine Ehrenrunde zu Fuß zu galoppieren. Was für ein Erfolg nach dem vorangegangen Monat. Ich konnte mein Glück kaum fassen!

(Teil 2 des Jahresrückblickes folgt)

Der erste Tag des Jahres

Da geht er so langsam dahin, der erste Tag des Jahres. Ob er etwas besonderes war? Nein. Warum bekommt er dann einen eigenen Blogpost? Weil er aus Dingen besteht/bestand die mich manchmal zur Verzweiflung bringen und mir aber wiederum, schon im nächsten Moment, ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Dinge die mein Leben ausmachen.


Da liege ich nun, in der schönen warmen Badewanne. Zeit für mich, Zeit mich zu erholen, Zeit mal durchzuatmen. Diese Zeit dauert knappe 5 Minuten, da schreit es durch den Flur: „Mama, mein Teddy ist weg.“ Minifräulein teilt dem Rest der Welt lautstark mit, dass der Teddy in den Weiten ihrer Bettdecke verschwunden sei. Ich bitte sie, aus der Badewanne rufend, um Ruhe und sage, dass ich mich gleich darum kümmere. In diesem Moment noch in der Hoffnung, dass sie sich durch meine Aussage erstmal beruhigt und wieder zurück in ihr Bett krabbelt. Doch da öffnet sich schon die Badezimmertür, mit einem verschmitzten Grinsen im Gesicht steht sie vor mir „Boah! So viel Wasser?!? Das nächste Mal möchte ich auch so viel Wasser haben, otay?“

Von der lautstarken Suche nach Teddy, ist nun auch leider der Minimann wieder erwacht und ich höre ihn aus seinem Zimmer weinen. Hart schlage ich auf dem Boden der Realität auf, vorbei ist die Zeit für mich. Aus der gemütlichen Badewannenzeit, wird ein schnelles Haarewaschen unter Dusche. Die Dusche befindet sich glücklicherweise in unserer Badewanne. Also war das Badewasser wenigstens nicht ganz umsonst. Schnell noch zwei Handtücher umgeworfen und dann mit wehenden Fahnen zum weinenden Minimann. Trösten, beruhigen, noch ein paar ernste Worte mit dem Minifräulein reden. So schön hatte ich mir den Rest des Abends vorgestellt. In Ruhe baden, noch ein wenig auf der Couch lümmeln, mit meiner besseren Hälfte wenigstens noch ein paar Nachrichten schreiben, mich über die 400-Follower-Marke auf Instagram freuen. Aber allein diese Gedanken an einen perfekten Abend, verleihen meiner Realität etwas Sternenglanz und lassen das alles nur halb so schlimm auf mich wirken. Es ist die Einstellung zum Leben, die wirkt, diese lässt uns das Leben so empfinden, wie wir es empfinden wollen.

Das neue Jahr beginnt


Nun aber mal ganz von Anfang an. Es erscheint die große Uhr auf unserem Fernsehbildschirm. Wir zählen gemeinsam runter 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1… Prost! Umgeben von meinen Liebsten stoßen wir auf das neue Jahr 2017 an. Wir gehen hinaus auf die Straße. Knallen ein wenig und schließlich ist Minifräulein von diesem spannenden Abend so fertig, dass ich sie ins Bett bringe. Ich räume noch schnell ein wenig auf, bevor ich selbst beschließe, lieber auch mein Bett aufzusuchen. Denn gleich werden die Kinder natürlich wie gewohnt früh auf der Matte stehen. Pünktlich um 7:30 Uhr (immerhin eine Stunde länger als am Samstag) ist es dann soweit, Minimann ist bereit in den Tag zu starten. Sämtliche Kuschelversuche scheitern leider kläglich. Er ist ein Racker, ein Entdecker, er hat besseres zu tun, als noch mit Mama & Papa im Bett zu kuscheln. Kaum ist Minimann wach, folgt natürlich auch die große Schwester, diese lässt sich jedoch noch gut mit Hörbüchern zum weiteren Kuscheln überreden. Fast bis 8:30 Uhr schaffen wir es irgendwie die Kinder bei Laune zu halten. Aber dann geht´s los, unser kleines Häuschen erweckt zum Leben. Minimann ist voller Tatendrang und hilft tüchtig beim Tischdecken. Schnell noch einen Kaffee gekocht und die warmen Brötchen aus dem Backofen geholt. 2017 wir sind bereit du kannst kommen!

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Die gemütliche Frühstücksstimmung wird getrübt, der Papa ist im Stress, gleich fährt seine S-Bahn, er verschlingt noch schnell sein Brötchen, nimmt einen Schluck Kaffee und verlässt mit wehenden Fahnen unser Zuhause, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen. Aufgrund der Arbeitszeiten hat er auch noch beschlossen, erst wieder Montagabend nach Hause zu kommen. Wie so oft, bin ich also wieder auf mich allein gestellt und versuche das Beste aus diesem Sonntag zu machen. Ein Glück bin ich heute nicht ganz allein, sondern habe eine großartige Unterstützung von Sina, sie hat mit uns gemeinsam das neue Jahr begrüßt. Also frühstücken wir gemeinsam in Ruhe zu Ende und finden sogar noch ein bisschen Zeit, uns über unser Lieblingsthema „Pferde“ zu unterhalten. Das Gespräch müssen wir dann leider doch irgendwann beenden, da die Kinder unsere Aufmerksamkeit fordern. Damit uns die Decke nicht auf den Kopf fällt, gehen wir noch eine kleine Runde in unseren Garten, beseitigen den Silvestermüll und erfreuen uns an einer übrig gebliebenen Packung Knallerbsen. Zum Mittag gibt es dann Eierpfannkuchen mit Äpfeln, die anscheinend nur Sina und mir richtig gut schmecken. Nun ist es an der Zeit für einen gepflegten Mittagsschlaf. Da Sina wirklich großartig ist, übernimmt sie diesen Part und ich darf, auf in den Stall, zu Fiete.

 

Stallzeit

Ich liebe unseren kleinen privaten Stall. Er bedeutet für mich Ruhe, wohlfühlen, abschalten. Fiete ist gerade noch draußen auf dem Paddock und knabbert genüsslich an etwas Heu. Also gehe ich erstmal in den Stall, sammele meine sieben Sachen fürs Reiten zusammen und mache mich dann mit Halfter und Strick bewaffnet aud die Jagd nach Fiete. Der matschige Paddock lässt mich nur schwer einen Weg zu Fiete finden. Meine gut gemeinten Rufe und Pfiffe versteht er leider gänzlich falsch und meine Laute treiben ihn nur noch weiter von mir weg. Da kommt auch schon das kleine (etwas gefährliche) Scheckenpony „On Top“ lüstern auf mich zu . Da ich den kleinen Satansbraten ein Glück gut kenne, spreche ich sie schon scharf an, was sie allerdings wenig beeindruckt. Mit ihrem frechen Ponyblick ausgestattet kommt sie mir immer näher. Ich wedele mit dem Halfter und endlich bekomme ich sie dazu, sich von mir abzuwenden. Mein wedelndes Halfter wird mit zwei ordentlichen Tritten der Hinterbeine in meine Richtung quittiert. Fiete ist weiterhin auf der Flucht vor mir. Einen kleinen Moment ist er jedoch etwas langsam und ich kann ihm seinen Weg abschneiden, das kleine Satanspony dabei immer gut im Auge behaltend. Nun lässt sich Fiete, als wäre nichts gewesen, ganz bereitwillig aufhalftern und folgt mir. Beim Verlassen des Paddocks bleibe ich weiterhin wachsam, da das Scheckenpony immer wieder in unserer Nähe lauert. Puh! Geschafft! Wir sind  nun beide in Sicherheit, außerhalb des Paddocks. Nun können wir uns ganz dem Putzen und Satteln widmen. Angekommen in der Reithalle bin ich anfangs ganz allein. Wir drehen ein paar Runden im Schritt als es heißt „Tür frei!“ Ein anderes Scheckenpony soll longiert werden und leistet uns somit Gesellschaft. Fiete ist sichtlich angetan von diesem kleinen Schecken und würde am liebsten mit ihm freispielend durch die Reithalle toben. Ich hole ihn zurück aus seinen Träumen und erinnere ihn daran, dass ich gerade auf seinem Rücken sitze. Solche Gelegenheiten nutzt Fiete ganz gern, um sich von seinen eigentlichen Aufgaben ablenken zu lassen. Er ist halt noch ein Kind und Kinder spielen nun mal gern. Ich schaffe es dann doch seine Aufmerksamkeit wieder komplett auf mich zu lenken und wir drehen ein paar schöne Runden im Trab und Galopp, arbeiten an Zirkelverkleinern, Galoppsprüngen verlängern und an Übergängen. Geschwitzt, aber glücklich und zufrieden beenden wir unsere kleine Trainingseinheit.

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Feierabend für Fiete. Zurück auf seinen Paddock zu seinen zwei Freundinnen. Nach guten 1,5 h mache ich mich auf dem Heimweg.

 

Es ist ganz still in unserem Haus, als ich aus dem Stall zurückkomme. Alle geben sich ihrem Mittagsschlaf hin. Naja fast. Sina steht auf einmal vor mir und fragt nach einem Kaffee. Eine wirklich gute Idee, die ich auch schon hatte, aber nicht wusste, ob Sinas „Zeitbudget“ dies noch zulässt. Denn schließlich hat sie ja auch ihr eigenes Leben. Wir kommen noch mal dazu ein wenig über dies und das zu quatschen, bevor die Wichte das Haus langsam wieder zum Leben erwecken. Für Sina ist es nun auch Zeit sich zu verabschieden. Meine Kinder und ich lassen den restlichen trüben Nachmittag gemütlich vor sich hinplätschern. Wir vertreiben ihn uns mit einem Puzzle, einem Malblock und kreativen Spielideen.

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Der Sonntag ist bei uns fast immer für die Kinder der Badetag. Frisch gebadet und mit vollem Magen landen wir drei auf der Couch. Die Kinder dürfen sich noch den Sandmann anschauen, bevor es für sie ins Bett geht. So verabschieden wir langsam den ersten Tag des Jahres und kommen an dem Punkt an, an dem mein Blogpost begann.

Dieser erste Tag des Jahres 2017, er war kein Besonderer, er war geprägt von Sachen die mein Leben ausmachen. Von schönen Momenten, die mir hoffentlich lange in Erinnerung bleiben, von stressigen Phasen, die jedoch von diesen schönen Momenten überdeckt werden. Und das ist es, das ist es, was ich mir von dem Jahr 2017 wünsche. Schöne Momente die mir hoffentlich lange in Erinnerung bleiben.

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Ich danke an dieser Stelle allen Menschen, die mein Jahr 2016 bereichert haben und ihren Teil dazu beigetragen haben, dass das Jahr 2016 bereits geprägt war von schönen Momenten.

 

Kleiner Kämpfer

Die zweite Schwangerschaft

Eigentlich verlief meine zweite Schwangerschaft an sich normal. Ich hatte zwar wieder mit Kreislaufproblemen und vorzeitigen Wehen zu tun, aber das Spielchen kannte ich bereits aus der ersten Schwangerschaft. Ich musste viel liegen und das Liegen empfand ich auch am angenehmsten. Von den Wehen merkte ich nichts, auch wenn das CTG immer ordentlich ausschlug. 

Meine Tochter wurde am 18.12.2014 zwei Jahre alt, wir feierten nur ganz klein als Familie. In der Nacht zum 19.12.2014 musste ich schon einige Male mit Durchfall zum Klo, dachte mir aber nichts weiter dabei. Mein Schwester hatte sich glücklicher Weise (sie hat wohl einen siebten Sinn) den 19.12.2014 frei genommen. Morgens ging es mir immer schlechter. Ich rief erst bei ihr an und anschließend gleich beim Frauenarzt. In kürzester Zeit war sie bei uns, half mir meine Tochter für die Krippe fertigzumachen und kutschierte mich dann erst zur Krippe und anschließend zum Frauenarzt.

Alles kein Problem

Beim Arzt angekommen wurde ich ans CTG gehangen und hatte schon ziemlich starke Wehen. Ich schilderte dem Arzt, dass ich Durchfall habe und es mir nicht besonders gut geht. Er sagte, das alles sei kein Problem, es könnte jedoch sein, dass ich mir einen Virus eingefangen habe. Ich solle nach Hause fahren und mich nochmal hinlegen. Da der Arzt tiefenentspannt war machte ich mir keinerlei Sorgen, denn schließlich war bis zum ET am 27.01.2015 noch eine Menge Zeit. Das Spielchen mit stärkeren Wehen hatte ich ja vorher auch immer Mal wieder, also brauchte ich mir keine Sorgen machen. Mein Mann kam an diesem Tag nach seiner letzten Abschlussprüfung, glücklicher Weise, früher nach Hause. Gegen Mittag fragte er mich ob ich irgendetwas haben wollte. Ich fühlte mich nach der Fahrt zum Frauenarzt allerdings einfach nur schlapp und wollte ins Bett. Bat ihn aber noch um einen Tee. Ich trank den Tee und schlummerte kurz ein. Um dann kurz darauf heftig zu erbrechen, nun fühlte ich mich noch schlechter als vorher. Ich sagte ihm, dass ich nicht mehr könne und wir doch lieber ins Krankenhaus fahren sollten. Meine Schwester blieb zu Hause und sorgte sich um unsere Tochter, die bald aus dem Kindergarten abgeholt werden musste.

Im Krankenhaus

Im Krankenhaus angekommen, ging es sofort in den Kreißsaal. Die Wehen wurden immer stärker, aber auch Übelkeit und Durchfall hielten leider weiter an. Die folgenden Ultraschalluntersuchungen empfand ich als Qual, da das Liegen auf dem Rücken in dem Moment sehr unangenehm war. Die dort anwesende Assistenzärztin sprach in gebrochenem Deutsch und war wenig, bis gar nicht, einfühlsam. Sie brabbelte irgendwas von, da müssen wir sowieso einen Kaiserschnitt machen usw. Anschließend wurde ich von einem anderen Arzt untersucht und der sagte: „Das wird schon, ein Kaiserschnitt sei nicht nötig.“Was ich in dem Moment beruhigend fand. Also landeten wir nun endlich in „unserem“ Kreißsaalzimmer. Die Zeit verging für mich gefühlt überhaupt nicht und ich war durch das Erbrechen und den Durchfall bereits vor der Geburt körperlich am Ende. Als mein Mann mir auch noch sagte, er müsse sich mal was zu Essen holen, wollte ich ihn zuerst gar nicht gehen lassen. Sah dann aber doch ein, dass er, nur mit einem Frühstück im Magen (wir hatten es bereits 14 Uhr), die noch vor uns liegenden Stunden, schwer durchhalten würde. 

Die zuständige Hebamme war immer nur kurz bei uns, steckte den Kopf durch die Tür und fragte, ob alles okay sei. Naja ging so, eine Hebamme, die bei mir ist, wäre schön, dachte ich. Da die arme Frau mehrere Geburten gleichzeitig betreute, konnte sie gar nicht anders. Ich fragte noch nach einer PDA, da sagte sie nur:“Dafür ist es schon zu spät.“ Na toll! Also irgendwoher die letzten körperlichen Reserven nehmen und durchhalten.

Auf einmal ging es schnell

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Und plötzlich ging alles sehr schnell. Nach nicht mal vier Stunden im Krankenhaus kam unser kleiner Leo auf normalem Weg zur Welt. Er wurde mir auf den Bauch gelegt, doch plötzlich wurde es um uns herum ganz hektisch, er wurde auf einmal ganz blau, er atmete nicht richtig. Die Hebamme und die Schwester reagierten schnell und nahmen ihn sofort wieder an sich und rannten mit ihm aus dem Zimmer. An die folgenden Minuten kann ich mich gar nicht mehr richtig erinnern. Ich selbst war körperlich so am Ende, dass ich wohl gar nicht fassen konnte, was da gerade passierte. Die Schwestern kamen wieder und sagten er müsse jetzt erstmal versorgt werden. Da auch ich ziemlich schwach und völlig ausgetrocknet war, wurde ich erstmal an einen Tropf gehangen. Mein Mann war die ganze Zeit an meiner Seite und wir unterhielten uns ein wenig. Auch er war sehr verunsichert. Leo musste erstmal in einen „Brutkasten“. Sie brachten ihn uns nochmal in dem Kasten vorbei, damit wir ihn wenigstens noch einmal sehen konnten. Danach nahmen sie ihn erstmal mit auf die Neugeborenenintensiv (die sich glücklicher Weise direkt in dem Krankenhaus befindet) Ich wurde auf die Station verlegt und bekam aufgrund des Verdachtes auf Norovirus ein Einzelzimmer. Darüber war ich sehr froh, denn erstens hatte ich dort meine Ruhe und zweitens wäre es wohl das Schlimmste gewesen, sich das Zimmer mit einer glücklichen Mutter mit Baby im Arm teilen zu müssen. Mein Mann begleitete mich noch. Er ging dann noch mit den Ärzten zur Neugeborenenintensiv, bis er mich dann noch völlig erschöpft gegen 23:00 Uhr anrief und mir sagte, dass er nun auf dem Heimweg sei. Das Gespräch war sehr beklemmend, da er sich große Sorgen um unseren Sohn machte. Mit dem Gefühl von einer großen Ungewissheit, weinte ich mich in den Schlaf. (Und muss gestehen, dass während ich hier schreibe, wieder Tränen über meine Wangen kullern)

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Warten, warten, warten…

Ich hatte mir tatsächlich einen Norovirus eingefangen. Mein Mann und auch alle anderen Besucher mussten sich bei jedem Besuch grün „einkitteln“ und alles sorgfältig desinfizieren. Spätestens nach einem Besuch auf der Neugeborenenintensiv, ist man ein wahrer Desinfektionskünstler. Aber daran war für mich noch gar nicht zu denken, da ich mit dem Norovirus natürlich hoch ansteckend war und somit nicht auf die Neugeborenenintensiv durfte. Die netten Schwestern hatten sehr viel Mitleid mit mir. Sie machten Fotos von Leo und brachten mir diese dann. Nach zwei langen Tagen, war es endlich soweit, ich durfte endlich zu meinem Baby. Als ich dann bei ihm war, kullerten wieder die Tränen. Da lag er, in dem großen Inkubator, zugeklebt mit Schläuchen, alles um ihn herum piepte und surrte. Ein großer Monitor zeigte die verschiedensten Zahlen, mit denen ich anfangs überhaupt nichts anfangen konnte. Die Schwestern der Station waren sehr nett und nach ein paar Stunden auf der Intensivstation, ging ich wieder allein auf mein Zimmer. Ich war erschöpft von allem. Die ganze Situation war so anders als ich es mir vorgestellt hatte. Nach und nach wurde alles ein Glück etwas normaler. Obwohl ich es schlimm fand nicht jederzeit mein Baby in den Arm nehmen zu können. Ich durfte zwar jederzeit auf die Station, jedoch konnte Leo viele Sachen noch nicht allein und war deshalb auf den Brutkasten und die vielen Schläuche angewiesen. Ich pumpte Milch ab, damit Leo wenigstens ab dem Zeitpunkt, wo keine Ansteckungsgefahr mehr bestand, Muttermilch bekommen konnte. Diese wurde ihm dann über eine Magensonde gegeben. Auch ich fütterte ihn so ab und zu. Ich beschloss selbst nicht länger im Krankenhaus zu bleiben, da einerseits Weihnachten vor der Tür stand, andererseits ich sowieso vor Ort nicht viel machen konnte. Denn Leo konnte nicht lange außerhalb seines Kastens sein, zum Kuscheln blieb uns immer nur eine halbe Stunde. Die ganze Situation war auch so anstrengend, dass ich mich nach unserem gemütlichen zu Hause sehnte.

Meine Familie kam über Weihnachten zu Besuch (alle wohnen über 300 km entfernt), alle die Leo besuchten klappten auf der Neugeborenenintensiv reihenweise ab. Die warme Luft, die ganzen Geräte und Informationen, das war einfach zu viel. Wir fuhren nun zweimal täglich ins Krankenhaus und besuchten unseren kleinen Leo. Milch pumpte ich immer genügend ab, so dass er gut versorgt werden konnte. Ich versuchte ihn so oft wie möglich vor Ort zu stillen, der kleine Kerl war jedoch meist so erschöpft, dass nicht besonders viel dabei rauskam.

 Die Schwestern auf dieser Station leisten einen großartigen Job und waren stets verständnisvoll und fürsorglich. Ich hatte keinerlei Bedenken Leo bei Ihnen zu lassen. Trotzdem dachte ich natürlich die ganze Zeit an mein Baby und fieberte jedem nächsten Aufenthalt entgegen, wir durften jederzeit zu ihm und waren teilweise bis morgens zwei Uhr bei ihm. Jedes Mal hoffte ich, die Ärzte würden uns endlich sagen, dass es ihm deutlich besser geht und wir ihn endlich mit nach Hause nehmen können.

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Nach Hause

Bevor ich Leo mit nach Hause bekam, musste ich zwei Tage lang mit ihm zusammen auf der Kinderintensivstation bleiben. Man wollte sehen ob ich das mit ihm hinbekomme. Ich selbst empfand/empfinde das ziemlich übertrieben, da ich ja bereits ein Kind hatte und zudem ja auch eine Hebamme hatte die uns betreute. Aber die Ärzte im Krankenhaus wollten wohl auf Nummer sicher gehen. Nach 2,5 langen Wochen war es endlich soweit und wir durften unseren kleinen Sohn endlich mit nach Hause nehmen. Wir waren so unendlich glücklich endlich zu viert zu sein!

Schlusswort

Ich möchte mit meiner „Geschichte“ niemandem Angst machen. Nur vielleicht einen Anstoß geben, sich Gedanken zu machen, welchen Ort man für seine Geburt wählt. Ich selbst hätte niemals mit solchen Komplikationen gerechnet und bin überglücklich, dass bei unserem kleinen Leo so schnell gehandelt werden konnte. Wer weiß wie es hätte verlaufen können, wäre keine kompetente Versorgung vor Ort gewesen. Unser Leo ist heute ein glücklicher, kleiner, frecher Junge. In gut einem Monat feiern wir seinen zweiten Geburtstag und freuen uns schon riesig auf seinen weiteren Lebensweg!

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